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Arbeitsgeschwindigkeit bei der Transkription – Wie viele Audiominuten pro Arbeitsstunde sind realistisch?

In Blog,Transkription Arbeitsgeschwindigkeit,Transkription Aufwand,Transkription Bearbeitungszeit,Transkription Faktor,Transkription Preise on November 29, 2011 von Deutsch-Transkription Verschlagwortet: , , , , ,

Auf diversen Seiten im Internet sind bereits zahlreiche informative Beiträge zur Bearbeitungszeit und Preiskalkulation bei Transkriptionen zu finden. Rollen wir die Sache nun einmal von hinten auf, gehen wir nicht von einem vorgegebenen Faktor Audiominute zu Bearbeitungszeit aus, sondern fragen wir uns, wie viel Text in einer solchen Audiodatei enthalten ist und was bei einer Transkription sonst an Arbeit anfällt. Schnell wird deutlich, dass bei der Berechnung der Arbeitszeit und des Aufwandes für eine Transkription einiges zu berücksichtigen ist.

Wie viel Textvolumen enthält eine Audiodatei?
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Bei unseren Transkriptionsarbeiten haben wir festgestellt, dass die meisten Audiodateien ein Textvolumen von durchschnittlich 16 bis 19 Normzeilen (á 55 Anschläge) enthalten. Nehmen wir den Mittelwert von 17,5 Normzeilen. Dies entspricht also 962,5 Anschlägen für eine Audiominute.

Wie schnell ist die reine Tippgeschwindigkeit bei Transkriptionen?
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In einer Studie zum Vergleich manueller Transkription und Spracherkennung (1) teilen Dresing und Pehl die Probanden in drei Gruppen unterschiedlicher Tippgeschwindigkeit auf und definieren diese wie folgt: 114 bis 173 Anschläge pro Minute als langsam; 174 bis 221 Anschläge pro Minute als mittel; 240 bis 327 Anschläge pro Minute als schnell. Zwar wird für professionelle Transkriptionen von Dienstleistern meist eine Tippgeschwindigkeit von 350 und mehr Anschlägen pro Minute gewünscht, dieser Wert entspricht jedoch der Leistung in einem kurzfristigen Test und nicht unter normalen Arbeitsbedingungen. Die Tippgeschwindigkeit muss schließlich auch über längere Arbeitszeiten hinweg durchgehalten werden. Es scheint, dass dies bei den Werten in dieser Studie berücksichtigt wurde. Desweiteren gehen wir davon aus, dass man als professioneller Phonotypist nicht „langsam“ tippt. Daher wählen wir für unsere Überlegungen den Mittelwert der „mittleren“ und „schnellen“ Gruppe aus, der bei etwa 250 Anschlägen pro Minute liegt. Als tatsächliche, langfristige Arbeitsleistung erscheint uns dies durchaus realistisch.

Bei einem Textvolumen von 962,5 Anschlägen pro Audiominute und einer durchschnittlichen Tippgeschwindigkeit von 250 Anschlägen pro Minute, benötigt man dann also die 3,85-fache Zeit allein um nur das Textvolumen zu tippen. Anders gesagt: Würde der Text bereits als geschriebenes Dokument vorliegen und müsste nur noch kopiert werden, könnte man mit einem Faktor 1:3,85 rechnen. Tatsächlich muss jedoch kein Text abgeschrieben, sondern das gesprochene Wort abgehört werden.

Hören, verstehen, Sprecher unterscheiden, Zeitmarken setzen, recherchieren, formatieren …  Transkription ist nicht ohne
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Dies bedeutet: Abhören, verstehen – und erst dann kann getippt werden. Auch hören und verstehen benötigt Zeit – je nach Qualität der Datei mal mehr und mal weniger. Schwer verständliche Passagen müssen zurückgespult und möglicherweise mehrfach abgehört werden – und schon hat sich bei diesen Passagen die tatsächlich abgehörte Audiozeit verdoppelt oder verdreifacht und schlägt sich als zusätzliche Arbeitszeit nieder. Aus Faktor 1:3,85 wird 1:4,85 oder 1:5,85. Dann liegen zwischen dem Hören und Tippen vor allem bei schwer verständlichen Stellen oft auch einige Sekunden des Auffassens, Verarbeitens und Verstehens. Hinzu kommt etwas, was ebenfalls gerne vergessen wird: Recherche. In den meisten Fällen wird der Transkripteur nicht Teil des Projektes sein, welches die Audiodatei produziert hat. Dadurch fehlen ihm Hintergrundinformationen, die das Verstehen der Aufnahme erleichtern und verbessern würden. Er muss also einzelne Begriffe selbst recherchieren und zum Beispiel bei Personen- oder Ortsnamen die korrekten Schreibweisen herausfinden. Der Faktor vergrößert sich, je nach Audioqualität liegen wir nun schon bei 1:6 oder 1:7. Zudem müssen Formatierungsvorgaben beachtet werden, einzelne Sprecher unterschieden und entsprechend ausgewiesen werden, und in manchen Fällen ist auch das Einfügen von Zeitmarken erwünscht.

Transkription erfordert Konzentration und gute Audioqualität
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Wir sehen, es steckt mehr hinter einer einfachen Transkription als man vielleicht auf den ersten Blick vermutet – und unser Übertragungsfaktor vergrößert sich weiter. Wo bewegen wir uns nun, vielleicht bei etwas über 1:7 oder 1:8? Dies hängt von Faktoren ab wie Qualität der Audiodatei, Vorgaben des Kunden oder Konzentration des Phonotypisten – haben Sie schon einmal acht Stunden am Tag transkribiert und dabei Ihre Konzentrationsfähigkeit beobachtet? Man muss wohl kaum erwähnen, dass am späten Nachmittag nicht dieselbe Effizienz wie am frischen Morgen erwartet werden kann. Daher gehen wir hier von Mittelwerten aus – wie bei der Tippgeschwindigkeit oben.

Letztes Abhören und Korrekturlesen
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Aber zurück zu unserer Transkription „in Arbeit“. Nach dem ersten Durchgang ist das Dokument nämlich noch lange nicht abgabebereit. Das komplette Audio muss nochmals abgehört und mit der nun vorliegenden Abschrift abgeglichen werden. So wird sichergestellt, dass nichts ausgelassen oder falsch wiedergegeben wurde. In Bezug auf unseren Faktor bedeutet dies, dass für jede Audiominute wiederum mindestens eine Arbeitsminute hinzukommt – sollten beim Abhören Änderungen notwendig werden, d. h. „Pausen“ im Audio eingeleitet werden, verlängert sich die Bearbeitungszeit für das finale Abhören. Eine einstündige Datei kann so schnell nochmals 1,5 bis 2 Stunden Abhörzeit benötigen. Wir liegen also zwischenzeitlich jenseits von 1:8, vielleicht irgendwo näher bei 1:9.

Nach dem letzten Hördurchgang befassen wir uns nun noch einmal intensiver mit dem Word-Dokument. Der Text durchläuft eine Korrekturlesung, bei der die Rechtschreibung und Zeichensetzung überprüft werden. Zudem wird die Formatierung des Dokumentes mit den Vorgaben des Kunden abgeglichen und angepasst. Schließlich ist unsere Transkription „druckreif“ und kann an den Kunden geliefert werden.

Realistische Transkriptionsfaktoren
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Und unser Faktor für die komplette Bearbeitungszeit von erstem Abhören bis zum druckfertigen Dokument? Unsere Kalkulation begann mit der reinen Tippzeit und einem Verhältnis von etwa 1:3,85 hierfür. Hinzu kommt mehrfaches Abhören schwer verständlicher Passagen, Verstehen, Recherchieren, menschliche Leistungsfähigkeit, finales Abhören, Korrekturlesen und Formatierung. Allein die „fixen“ Zeiten für das reine Tippen und das reine finale Abhören summieren sich bereits auf knapp 1:5, ohne Berücksichtigung von z. B. schwierigen Hörsegmenten oder Recherchen. Der Umfang des gesamten Bearbeitungsspektrums lässt vermuten, dass selbst bei einer sehr guten Audioqualität mit einfachem Inhalt und nur einem deutlichen Sprecher ein Faktor von 1:6 kaum unterschritten werden kann, bei sehr schwierigen Dateien könnte er sogar doppelt so groß sein. Tatsächlich kam die bereits oben erwähnte Studie von Dresing und Pehl (1) zu dem Ergebnis, dass die Bearbeitungszeit für eine Transkription bei durchschnittlich 1:9,6 liegt. In ihrem Praxisbuch Transkription (2) merken Dresing und Pehl an, dass man „vom 5- bis 10fachen der Interviewdauer  als  Transkriptionszeit  inklusive  Korrekturlesen ausgehen“ sollte. Auch von hinten aufgerollt erscheinen uns diese Werte durchaus realistisch.

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(1)          Dresing, Thorsten; Pehl, Thorsten & Lombardo, Claudia (2008). Schnellere Transkription durch Spracherkennung? [35 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 9(2), Art. 17, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0802174.

(2)          Dresing, Thorsten; Pehl, Thorsten: Praxisbuch Transkription. Regelsysteme, Software und praktische Anleitungen für qualitative ForscherInnen. 3. Auflage. Marburg, 2011. Quelle: http://www.audiotranskription.de/praxisbuch (Datum des Downloads: 30.11.2011).

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Umfrage: Was ist Ihnen eine gute Transkription wert?

In Blog,Transkription Aufwand,Transkription Preise on November 24, 2011 von Deutsch-Transkription Verschlagwortet: , , , ,

Im Internet finden sich bereits vielfach Diskussionen zu Transkriptionspreisen. Wir teilen die allgemeine Verwunderung unter Kollegen über Dumpingpreise und deren Umsetzbarkeit sowie über die Motivation derer, die sie anbieten. Wir machen jedoch auch regelmäßig die Erfahrung, dass Kunden gleichfalls frustrierende Erlebnisse mit entsprechenden Dienstleistern machen und durchaus auch bereit sind, für gute, zufriedenstellende Arbeit einen fairen Preis zu bezahlen. Wie bei so vielem zeigt sich eben auch bei der Transkription, dass der Preis nicht immer der entscheidende Faktor und billig nicht immer gleich gut ist.

Wem das Thema noch etwas fremd sein sollte, der findet in folgenden Beiträgen ausführliche Informationen zu Arbeitsaufwand und Preisgestaltung bei Transkriptionen:

Nun stellt man fest: Zum einen herrscht angesichts der Flut von Billiganbietern unter Kollegen oft Verunsicherung über die Erwartung unserer Kunden bezüglich der Preise, zum anderen sind beim Thema Preise hauptsächlich Informationen von Dienstleistern, jedoch kaum Stellungnahmen von Kunden zu finden. Uns interessiert daher: Als Kunde, der den Arbeitsaufwand bei Transkriptionen nun realistisch einzuschätzen weiß, was sind Sie bereit für ein gutes, zufriedenstellendes Endergebnis zu bezahlen? Für die Teilnahme an unserer Umfrage möchten wir uns schon jetzt herzlich bei Ihnen bedanken!

Gehen wir einmal von einem ganz gewöhnlichen Auftrag aus: Ein einstündiges Interview mit zwei Sprechern, relativ gute Tonqualität, relativ deutlich gesprochen, trotzdem sind einzelne Passagen schwer verständlich und müssen mehrfach abgehört werden. Insgesamt lässt sich die Audiodatei jedoch gut bearbeiten. Im Preis inklusive ist selbstverständlich die gewünschte Formatierung sowie die Korrekturlesung. Es handelt sich um den vollen Preis inklusive Mehrwertsteuer. Sie erhalten bei Abgabe ein druckreifes Dokument. Was ist Ihrer Meinung nach ein fairer, bezahlbarer Preis für diese Dienstleistung? Helfen Sie unserer Branche Ihre Erwartungen realistisch einzuschätzen und stimmen Sie hier ab:

Kundenumfrage: Transkriptionspreise
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